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Gemeinde Weingarten (Baden)

„Land schafft Verbindung“ - Friedliche Protestaktion mit Mahnfeuer

Artikel vom 08.01.2020
 

Am Samstagabend brannte auch auf einem Feldstück in Weingarten ein großes Mahnfeuer. Seit ihrer Gründung am 1. Oktober 2019 hat die bundesweite Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“ zu Aktionen aufgerufen, um die Bevölkerung auf Missstände aufmerksam zu machen und um Gehör zu erlangen. Am 22. Oktober hatte es eine Kundgebung in Stuttgart gegeben, bisheriger Höhepunkt der Proteste war eine Sternfahrt am 26. November nach Berlin von 8.600 Traktoren. „Wir haben den Zug von Weingarten bis Bad Mergentheim begleitet“, berichtet der Weingartner Ansprechpartner der Initiative, Jörg Sakatsch, Landwirt aus der Siedlung Sallenbusch. In Weingarten sei „Land schafft Verbindung“ bereits am Verkaufsoffenen Sonntag aufgetreten, ein Mahnfeuer wurde hier jetzt zum ersten Mal entzündet.

 

Über 100 Interessierte

Die Aktion stieß durchaus auf Resonanz. Mehr als ein Dutzend Traktoren säumten das Feld, zahlreiche Menschen standen in Grüppchen und diskutierten. Auf „über hundert“ schätzte Bürgermeisterstellvertreter Gerhard Fritscher die Beteiligung und „mehr als die Hälfte davon“ seien Interessierte und keine Landwirte. Er befürworte die Aktion, denn in der Diskussion pro und kontra Landwirtschaft gelte es, sehr viele Details zu berücksichtigen, die die Bürger gar nicht wüssten. In diesem Zusammenhang verwies er auf die neue Düngeverordnung, die bei Nichteinhaltung hohe Strafzahlungen vorsieht. 

Offizielle Ansprachen gab es keine. „Wir möchten mit den Menschen ins Gespräch kommen, denn wir wollen auf unsere Probleme aufmerksam machen und brauchen dazu das Verständnis der Bevölkerung“, erklärte Sakatsch. Das Motto der Aktion sei „miteinander sprechen, nicht übereinander“.

 

„Naturschutz und Landwirtschaft sind keine Gegensätze“

 „Natur nützen und Natur schützen gehört zusammen“, sei eines der Prinzipien des Bündnisses. Es gehe um Aufklärung, denn in der gegenwärtigen Umweltdiskussion werde stets der Landwirt als derjenige gesehen, der mit Düngen und Pflanzenschutz die Natur kaputtmache. Es sei endlich an der Zeit, beide Seiten zu hören. Grundsätzlich gehe es den Landwirten um Anerkennung ihrer Leistungen in Bezug auf Umweltschutz. „Wir müssen uns wehren“ pflichtete Landwirt Richard Balduf ihm bei. „Wir müssen uns Gehör verschaffen“ erklärte auch der Winzer Frank Gauss, denn die Winzer seien in Weingarten genauso betroffen. „Die Landwirte produzieren hochwertige Lebensmittel“, erklärte ein Sprecher, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, „aber sie kämpfen mit Verordnungen, Restriktionen und Auflagen, die sie auch finanziell immer mehr einengen“. Dabei, war der Tenor, würden die verwendeten Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel in einem Mindestmaß angewendet, um Erträge zu erzielen. „Selbstverständlich wollen wir die Umwelt schützen“, sagte Sakatsch, „denn wir brauchen sie ja“. Und er betonte noch einmal, der Aktionsgruppe „Land schafft Verbindung“ sei das Gespräch mit den Menschen wichtig, denn ohne Rückhalt in der Bevölkerung – und in der Politik - könne die Landwirtschaft nicht existieren.  

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