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„Wir alle gegen Cybermobbing“

Artikel vom 31.10.2019
 

 Mit der zunehmenden Verbreitung des Internet bis in jüngere Schülergenerationen wächst auch die Gefahr dieses Mediums. Es wird missbraucht. Jugendliche nutzen es für das sogenannte „Cybermobbing“, eine besonders perfide Art, vermeintlich Schwächere über einen längeren Zeitraum systematisch zu drangsalieren, auszugrenzen und fertigzumachen. Über WhatsApp, Instagram, Facebook und andere Kanäle werden Beleidigungen, peinliche Bilder, Androhungen von Gewalt und ähnliches „in der Gruppe“ verbreitet und dehnen sich sehr schnell aus. Das Internet bietet eine riesige Bühne mit einem unendlich großen Publikum. Die Folgen für das Opfer sind möglicherweise nicht immer beabsichtigt, aber immer schwerwiegend.

 

Turmbergschule wurde zertifiziert

Die Turmbergschule hat dieses Problem aktiv angegangen und hat an dem Projekt „Gemeinsam gegen Cybermobbing“ für Schulen und Vereine des Vereins „Bündnis gegen Cybermobbing“ teilgenommen und wurde für dieses Engagement mit dem Zertifikat „Schule gegen Cybermobbing“ ausgezeichnet. Rektorin Karin Sebold dankte dem Verein und dem Sponsor Stiftung Bildung und Soziales der Sparda Bank für die Ermöglichung. Dazu haben mehrere Lehrer eine Fortbildung genossen. Sie haben mit Schülern zusammengearbeitet, ihnen ihre Erkenntnisse weitergegeben, die Schüler haben Projektaufgaben bekommen und der krönende Abschluss war die Präsentation dieser Projektaufgaben an einem Elternabend.

 

Präsentation der Ergebnisse

Lerngruppen der Klassen 5 bis 8 präsentierten ihre Ergebnisse. Es waren Plakate, Fotos und Videos, die die inhaltliche Auseinandersetzung der Jungen und Mädchen mit dem Problem wiederspiegelten. Die Darstellungen bescheinigten ihren Urhebern aber Verständnis, Einfühlungsvermögen und Ernsthaftigkeit. Sie zeigten die Entwicklung einer Eskalationsspirale seitens der Täter und die Auswirkungen auf das Opfer von psychosomatischen Störungen bis zum Verlust jeder Lebensfreude und dem hilflosen „Ich kann nicht mehr“.  Übereinstimmend vertreten waren die Aufforderungen „Lass nicht zu, dass jemand gemobbt wird“, „Mach was dagegen“ und die Ratschläge, sich unbedingt an Eltern, Lehrer oder andere Vertrauenspersonen zu wenden. Beeindruckend war die Erkenntnis einer Fünftklässlerin, die dem Mobbing eine hierarchische Struktur von König, Hofstaat und Fußvolk zugrunde legte und die Aussage tätigte: „Wenn sich das Fußvolk entscheidet, nicht mehr wegzuschauen, hat der König keine Macht mehr.“  Auch der Rat, die Privatsphäre zu schützen war zu finden und Erklärungsversuche auf die Frage nach dem Warum. Alle Darstellungen mündeten inhaltlich übereinstimmend in den Ausruf: „Wir wollen an dieser Schule kein Mobbing!“

 

Erste-Hilfe-Anleitung: "Gefangen im Netz“

Nach dieser eindrücklichen Vorstellung wurden die Schüler entlassen und Moritz Scherzer vom Bündnis gegen Cybermobbing gab Handlungsempfehlungen für Eltern. Seine Ratschläge waren dahingehend, dass bereits im Vorfeld Eltern und Kinder eine Vertrauensbasis brauchen. Dann werden Vereinbarungen über den Gebrauch des Smartphones getroffen und diese auch kontrolliert. Der Erwachsene soll mit dem Kind auf Augenhöhe sprechen und es ernst nehmen, aber auch eigene Kompetenz beweisen. Ist das Kind Opfer geworden, so sei das Wichtigste, dem Kind Zusammenhalt zu vermitteln, keinesfalls solle es das Gefühl bekommen, eine Mitschuld zu tragen. Ein erster Schritt, aktiv auf den Täter zuzugehen und ihn zur Unterlassung aufzufordern. Außerdem sei es ratsam, externe Hilfe hinzuzuziehen. Sei das Kind Täter geworden, so müsse unbedingt Ursachenforschung betrieben und Konsequenzen gezogen werden. Dem Kind sollten die Auswirkungen auf das Opfer, aber auch auf den Täter selbst aufgezeigt werden.

Zusammenfassend überreichte er den Eltern eine „Erste-Hilfe-Anleitung“ mit dem Titel „Gefangen im Netz“.