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Gemeinde Weingarten (Baden)

Schutz vor Starkregenereignissen und Hochwasser:

Artikel vom 30.07.2021

Präventionsmaßnahmen in Weingarten

Angesichts der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen machen sich vielerorts die Menschen Gedanken, wie gut man selbst im Fall der Fälle vorbereitet wäre. Insbesondere im Hinblick auf den Walzbach spielt das Thema Hochwasserschutz auch in Weingarten seit jeher eine bedeutende Rolle. Nachfolgend möchte die Gemeindeverwaltung einen Überblick über die bestehenden Schutzvorkehrungen geben und informieren, wie sich die Einwohnerinnen und Einwohner selbst schützen können. Zunächst ein Blick in die Vergangenheit.

Historie: Früher gab es regelmäßig Hochwasser am Walzbach  
Früher kam es entlang des Walzbachs häufiger zu Überschwemmungen und verheerenden Hochwasserereignissen. Dem konnte erst mit dem Bau des Rückhaltebeckens Einhalt geboten werden. Dieses hat ein Rückstauvolumen von 175.000 Kubikmetern. Geschichtsexperte Klaus Geggus vom Bürger- und Heimatverein schreibt: „Bis zum Bau des Rückhaltebeckens waren regelmäßige Überschwemmungen durch den Walzbach („Dreckwalz“) bei plötzlich auftretenden Wolkenbrüchen/Gewittern üblich. Davon war nicht nur die Bahnhofstraße, sondern zeitweise sogar das gesamte Oberdorf betroffen.“
Beim Jahrhunderthochwasser im Mai 1746 verloren drei Menschen ihr Leben, drei Häuser wurden durch die Wassermassen komplett zerstört, so Geggus. Im „Heimatbuch Weingarten (Baden)“ nennt Heimatforscher Pfarrer Albert Nikolaus als Beispiele für Hochwasser und Überschwemmungen die Jahre 1929, 1931 und 1934. „Aber auch in der Nachkriegszeit gab es Überschwemmungen“, berichtet Klaus Geggus weiter. „Der sonst so friedliche Dorfbach entwickelte sich dabei zum reißenden Fluss, der die Ufer überflutete und besonders im Oberdorf oberhalb der Untermühle und von der Mützenau bis zur Kanalstraße fürchterlichen Schaden anrichtete.“

Wann kann es zu Hochwasser kommen?
„Zunächst einmal müssen wir unterscheiden zwischen einem Starkregenereignis und Hochwasser“, erklärt Kay Ostwald, verantwortlich für den Hochwasserschutz bei der Gemeinde Weingarten. „Hochwasser entsteht, wenn es über einen langen Zeitraum großflächig stark regnet und so der Pegelstand des Walzbachs immer weiter ansteigt, bis er eventuell sogar über die Ufer tritt. Hier wären vor allem die Gebiete, die direkt am Walzbach liegen, betroffen. Bei einem Starkregenereignis hingegen, können auch weiter vom Gewässer entfernte Gebiete gefährdet sein.“
Bei einem Starkregenereignis regnet es innerhalb einer bestimmten Zeitspanne so stark, dass das Wasser sich beispielsweise in Tälern sammelt, Gullis überlaufen können oder Straßen sich im Ernstfall in Flüsse verwandeln. In der jüngeren Vergangenheit sei man hier in Weingarten und der Region von verheerenden Unwettern allerdings verschont geblieben. Sollte es aber zu einem Hochwasser kommen, ist die Gemeinde gewappnet.

Wie gut ist Weingarten auf ein mögliches Hochwasser vorbereitet?  
Das Rückhaltebecken am Schlossbergsee (kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Walzbachtal gelegen) ist eine der bedeutendsten Schutzvorkehrungen im Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde. „Wenn es lange und stark regnet, und der Walzbach aus Richtung Jöhlingen und Wössingen immer mehr Wasser bekommt, haben wir mit dem Rückhaltebecken die Möglichkeit, den Pegel im Walzbach relativ lange konstant zu halten und den Wasserfluss entscheidend zu kontrollieren“, so Ostwald. Das Rückhaltebecken wird im Hinblick auf die vorhandene Technik einmal im Monat kontrolliert. Außerdem wird der Bereich regelmäßig gepflegt und gemäht, so dass im Falle eines Hochwassers keine Äste, Gras oder anderes Treibgut mitgeschwemmt werden können und die Kanäle verstopft. Weitere Einrichtungen zur Verhinderung und Verzögerung von Hochwasserereignissen sind:

  • Vorfluter (Gräben, wie der Hinterteufengraben, Torfgraben usw.): Diese Gräben dienen zur Entwässerung des Regenwasser-Trennsystems. Sie werden einmal im Jahr gemäht.
  • Bypass / Entlastung der Engstelle im Walzbach am Wasserrad an der Jöhlinger Straße

Im neuen Hochbehälter-Gebäude am Katzenberg befindet sich außerdem ein Notstromaggregat zur Aufrechterhaltung der Wasserversorgung im Ort. Die Gemeinde Weingarten hat des weiteren jede Menge Materialien und Sachgüter für den Katastrophenfall vorrätig. Beispielsweise Feldbetten, Sicherheitsausrüstung, Sandsäcke u.a. Das Rückhaltebecken am Schlossbergsee wurde bereits vom Ingenieurbüro BIT überprüft. Die technischen Einrichtungen der Hochwasserschutzanlage sollen nach Abschluss der Planungen ab 2022 auf den neuesten technischen Stand gebracht werden.  

„Es ist unmöglich, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten“, sagt Bürgermeister Eric Bänziger. „Aber ich kann sagen, dass Weingarten für den Ernstfall gut ausgerüstet und vorbereitet ist. Das gilt nicht nur für Hochwasser, sondern auch für andere Katastrophenfälle, insbesondere den Ausfall der Stromversorgung. Bereits bei der Pandemie hat sich die Bevorratung von Schutzausrüstung bewährt. Wir arbeiten bereits seit Jahren mit dem Katastrophenschutzexperten Andreas Kling zusammen, stehen im engen Kontakt mit Feuerwehr und Rettungsorganisationen und haben intern eine klare Aufgabenverteilung in unserem Krisenstab festgelegt. Diese Gruppe bestehend, aus Verwaltungsmitarbeitern und Feuerwehr, hat sich erst letzte Woche wieder bei einem Treffen über die aktuelle Lage in Sachen Hochwasserschutz abgestimmt.“

Jeder kann selbst Schutzvorkehrungen treffen
„Zur erfolgreichen Prävention von Überschwemmungen im katastrophalen Ausmaß sind wir auch auf die Mithilfe von den Anwohnerinnen und Anwohnern angewiesen“, sagt Kay Ostwald. Zunächst gelten gewisse rechtliche Bestimmungen in der Nähe eines Gewässers, was beispielsweise Bebauung und Bepflanzung betrifft. Kompost- und Holzlagerung darf nur mit genügend Abstand zum Fließgewässer erfolgen, bauliche Anlagen müssen innerorts mindestens 5 Meter Abstand zum Gewässer haben um im Falle eines Hochwassers nicht den Abfluss des Wassers zu behindern. Standortgerechte Büsche und Gewächse sichern mit ihren Wurzeln das Ufer ab. Das Ufer darf hingegen grundsätzlich nicht mit Mauern befestigt werden. In keinem Fall darf das Bachbett verengt werden.

Generell gilt: Bis zur Böschungsoberkante auf dem eigenen Grundstück ist der Gewässeranlieger für den Bereich zuständig. Für das Gewässer an sich, also den Walzbach ist die Gemeinde verantwortlich.

Merkblatt Eigenvorsorge
Nachfolgend haben wir für Sie zwei umfassende Informationsflyer verlinkt, unter anderem herausgegeben vom Umweltministerium Baden-Württemberg. Hier finden Sie wichtige Tipps zur Eigenvorsorge: Vom Notfallplan über Notfallgepäck bis hin zur Sicherung von Heizöltanks im Keller.
- Eigenvorsorge Bürger (PDF-Datei)
- Infoblatt Hochwasser droht (PDF-Datei)

Ausblick
Der Katastrophenstab der Gemeinde Weingarten plant zeitnah eine großangelegte Übung durchzuführen. Außerdem ist ein erneuter Probealarm der Sirenen in Planung. In Zukunft sollen alle Infomaterialien und Mitteilungen zum Thema Katastrophenschutz gesammelt auf der Homepage der Gemeinde Weingarten zu finden sein: https://www.weingarten-baden.de/rathaus-service/katastrophenschutz

http://www.weingarten-baden.de//weingarten-baden/aktuelle-meldungen/neuigkeiten