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Offener Brief an Herrn Regierungspräsidenten Föhr
Offener Brief an Herrn Regierungspräsidenten Föhr
Zur Vollsperrung der B 3 zwischen Weingarten (Baden) und Karlsruhe-Grötzingen mit einer Dauer von 8 Wochen
- Brief per Post sowie vorab per E-Mail am Freitag, 24.07.2026 -
Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Föhr,
die sehr kurzfristig angekündigte Vollsperrung der Bundesstraße 3 zwischen Weingarten (Baden) und Karlsruhe-Grötzingen hat bei der Gemeinde und unserer Bevölkerung zu erheblichem Unverständnis geführt.
Zunächst möchte ich ausdrücklich betonen, dass der Schutz von Natur und Artenvielfalt ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen ist. Die Errichtung von Amphibientunneln leistet einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz. Unsere Kritik richtet sich daher nicht gegen das Ziel der Maßnahme, sondern gegen die Art und Weise ihrer Vorbereitung, Kommunikation und Umsetzung.
Bereits vor zwei Jahren sollte die Maßnahme angegangen werden. Damals wurde die Ausschreibung aufgehoben und es kam nicht zur Umsetzung. Als nun erneut das Thema an uns herangetragen wurde, war dies mit der Hoffnung verbunden, dass in den beiden vergangenen Jahren eine bessere Verkehrslösung gefunden wurde. Das ist leider nicht der Fall und wir haben auch den Eindruck, dass nicht an der Lösung des Problems mit der Vollsperrung gearbeitet wurde.
Dabei hätte unsere Liegenschaftsverwaltung sicherlich Hilfe leisten können; eine entsprechende Anfrage kam nicht. Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass der Eigentümer vom Hofgut Werrabronn den Vertretern des RP seine Flächen entlang der B3 angeboten hatte, um eine Vollsperrung zu umgehen. Das RP habe das Angebot damals im Gespräch jedoch abgelehnt.
Besonders kritisch ist zudem der gewählte Zeitpunkt der Maßnahme. Die Vollsperrung beginnt unmittelbar mit dem Start der Sommerferien und damit zeitgleich mit dem Hauptreiseverkehr. Bereits ohne eine zusätzliche Belastung rollen jeden Tag etwa 13.000 Fahrzeuge über die Bundesstraße durch Weingarten. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass es in den Ferien auf der Autobahn regelmäßig zu Unfällen und erheblichen Staus kommt. Die Bundesstraße dient als U 41 in diesen Fällen als offizielle Bedarfsumleitungsstrecke und führt unmittelbar durch unsere Gemeinde.
Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass quasi zeitgleich zum Start der Vollsperrung B3 auch die Auffahrt der Anschlussstelle Karlsruhe Nord in Fahrtrichtung Süden voll gesperrt wird. Hierüber wird jedoch ein wesentlicher Teil Ihrer ausgeschilderten Umleitungsstrecke der Baumaßnahme geführt.
Besondere Sorge bereitet der Gemeinde die Erreichbarkeit des Hofguts Werrabronn. Durch die Vollsperrung wird das Anwesen vom Ort aus nur noch mit erheblichen Umwegen erreichbar sein. Dies betrifft aber nicht nur die tägliche Erreichbarkeit der dort lebenden und arbeitenden Menschen sowie der Kunden des landwirtschaftlichen Betriebs mit Verkauf am Hof, sondern insbesondere auch die Gefahrenabwehr.
Im Brand- oder Rettungsfall verschlechtern sich die Anfahrtszeiten der Einsatzkräfte erheblich. Aufgrund des äußerst kurzfristigen zeitlichen Vorlaufs ist eine angemessene Vorbereitung jedoch kaum noch möglich.
Erst nachdem die Gemeinde den zuständigen Projektverantwortlichen des Regierungspräsidiums unmittelbar kontaktiert hatte, konnten belastbare Informationen zum tatsächlichen Beginn der Baumaßnahme eingeholt werden. Theorie und Praxis fielen hier nicht unwesentlich auseinander.
Zu diesem Zeitpunkt waren entlang der Bundesstraße jedoch bereits Verkehrszeichen und Umleitungsbeschilderungen aufgestellt worden. Damit wurden für die Öffentlichkeit sichtbare Tatsachen geschaffen, obwohl weder der Gemeinde noch der Bevölkerung verlässliche und abgestimmte Informationen über den Beginn und den Ablauf der Maßnahme vorlagen. Dies führte verständlicherweise zu zahlreichen Nachfragen und erheblicher Verunsicherung.
Die Gemeindeverwaltung sah sich deshalb veranlasst, die Öffentlichkeit ihrerseits zunächst in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats am 20.07.2026 über den aktuellen hier bekannten Sachstand zu informieren. Das Gremium äußerte
geschlossen sein Unverständnis zu der Vorgehensweise. Dass die erste umfassende Information der Bürgerschaft nicht durch die verantwortliche Straßenbaubehörde, sondern durch die Gemeinde erfolgen musste, verdeutlicht die Defizite im Informationsfluss.
Die zugesagte offizielle Pressemitteilung des Regierungspräsidiums wurde nun am 23.07.2026 veröffentlicht. Eine frühzeitige, transparente und abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit hat aus Sicht der Gemeinde daher faktisch nicht stattgefunden. Stattdessen kursierten unterschiedliche und teilweise widersprüchliche Informationen, die weder den Bürgerinnen und Bürgern noch den Gewerbetreibenden eine verlässliche Planung ermöglichten.
Mit unserer Einschätzung stehen wir im Übrigen nicht allein. Auch andere von der Maßnahme betroffene Kommunen haben gegenüber dem Regierungspräsidium die sehr kurzfristige Information und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Vorbereitung thematisiert.
Wir appellieren daher an das Regierungspräsidium und Sie als unseren Regierungspräsidenten, kurzfristig alle Möglichkeiten einer nur einseitigen Sperrung in Erwägung zu ziehen und die Informationspolitik zu verbessern.
Wir stehen dafür bereit.
Für ein persönliches Gespräch stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.
Freundliche Grüße
gez. Eric Bänziger
Bürgermeister

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