Neuigkeiten
Wanderausstellung von Soldatenbrettern auf dem Friedhof bis 24. April 2026
Wanderausstellung von Soldatenbrettern auf dem Friedhof bis 24. April 2026
„Nie wieder Krieg“
Eine Ausstellung von sieben sogenannten „Soldatenbrettern“ steht zurzeit auf dem Weingartener Friedhof und bleibt dort noch bis zum 24. April 2026 zur Besichtigung. Sie trägt den Titel „Nie wieder Krieg“.
Gestaltet hat die insgesamt 35 rund zwei Meter hohen Bretter die aus Bayern stammende Künstlerin Bali Tollack. Bilder und Texte beruhen auf Anregungen aus Arbeiten anderer Künstler, die ihre Vorbilder waren.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Organisiert hat die Wanderausstellung, die seit Herbst 2020 in Nordbaden unterwegs ist, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der Vorsitzende des Bezirksverbands Nordbaden, Volker Schütze und sein ehrenamtlicher Mitarbeiter Michael Beckert, haben die Bretter am Freitagmorgen beim „Weg der Erinnerung“ und bei den Gräbern der auf Weingartener Gemarkung ums Leben gekommenen Soldaten aufgestellt. Bürgermeister Eric Bänziger, die Gemeinderäte Matthias Görner, Wolfgang Wehowsky und Timo Martin sowie Mitarbeiter aus dem Rathaus haben an der Eröffnung teilgenommen. Volker Schütze dankte dem Bürgermeister für die Erlaubnis, diese Kunst hier auszustellen. Kriegsgräber im Ausland werden vom Volksbund gepflegt, Gräber und Erinnerungsstätten im Inland dagegen von den Kommunen selbst.
Die Arbeit der Künstlerin
Bali Tollak habe in ihrer Heimat die Kultur der „Bahrebretter“ entdeckt. Früher seien die Verstorbenen vor dem Begräbnis in den Häusern einige Tage auf Brettern aufgebahrt worden. Ihre Idee dazu war, diese Bretter künstlerisch zu gestalten und damit eine Aussage zu verbinden. Geboren im Jahr 1948 habe sie persönlich keinen Krieg miterlebt, sich aber intensiv mit Kriegsgräberstätten auseinandergesetzt, vorwiegend aus dem Ersten Weltkrieg. Diese Auseinandersetzung hat sie in ihren Arbeiten dargestellt. Maler dieser Zeit wie Paul Klee, Pablo Picasso, Otto Dix, Emil Nolde, Käthe Kollwitz und andere waren ihre Vorbilder; ihre stilistischen Mittel flossen in Bali Tollaks Arbeiten ein.
Der Tod wird gewürdigt
Alle Texte behandeln das Thema Verlust von Angehörigen durch den Krieg, erklärte Volker Schütze. Einige sind in Englisch oder Französisch abgefasst, aber eine Übersetzung ist in der Nähe der Soldatengräber zu finden. Mütter beklagen Söhne, junge Frauen ihre Männer. Besonders berührend die Geschichte von Käthe Kollwitz. 1942 starb ihr Enkel als Soldat, ihren Sohn hatte sie bereits im Ersten Weltkrieg verloren. Schütze interpretierte den Text auf dem Brett: Ein Sohn habe sich freiwillig gemeldet. Er sei stolz gewesen, sein Vaterland verteidigen zu dürfen und sein Vater habe ihn darin bestärkt, gegen den Willen der Mutter. Der Sohn wurde getötet. Insofern gäben diese Texte auch Impulse, sich an die damaligen Geschehnisse zu erinnern.
Weingarten habe eine besondere Erinnerungskultur, griff Bürgermeister Bänziger die Anregung auf. Der momentane Standort sei eine Zusammenstellung von Grabsteinen ehemaliger Ehrengräber, die von keinen Angehörigen mehr gepflegt wurden. Der Platz mit dem Namen „Weg der Erinnerung“ war auf Anregung des ehemaligen Oberstabsfeldwebels Richard Barth entstanden, Träger der Bürgermedaille. Am zweiten Standort nahe des Eingangs befinden sich Kriegsgräber aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Für alle, die in Weingarten in diesem Zusammenhang ums Leben kamen, wurden drei Stelen aufgestellt. Der Wartturm trage an der Talseite einen Engel als Mahnung und auf der gegenüberliegenden Seite eine Tafel mit der Erinnerung an die Opfer des Holocaust. Für diese Ausstellung sei der Weg der Erinnerung ein höchst angemessener Platz.



Durch das Laden der Inhalte erhebt Facebook personenbezogene Daten und verarbeitet diese. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.
Für diese Funktion müssen weitere Cookies akzeptiert werden