Aktuelles: Gemeinde Weingarten (Baden)

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Die Weingartner Straßenbäume brauchen dringend Wasser

Autor: Vanessa Graf
Artikel vom 13.08.2019

 

Wer möchte eine Gießpatenschaft übernehmen?

Die Krone der Linde vor der Bahnhofsapotheke ist licht geworden. Die Blattspitzen der Kastanie an der Ecke Kanalstraße sind durchweg braun und die Krone einer Esche  ist schwer geschädigt. Nur drei Beispiele von sicherlich vielen Straßenbäumen, die unter der starken, wochenweise extremen Hitze und Trockenheit, bereits im zweiten Jahr in Folge, leiden.

Eine Anwohnerin der Bahnhofstraße hat den beklagenswerten Zustand bemerkt und Bürgermeister Eric Bänziger um Hilfe gebeten. Er möge den Bauhof veranlassen, die Bäume häufiger zu bewässern. Sie selbst bringe dem ihrem Wohnhaus am nächsten stehenden Baum alle paar Tage einige Kannen Wasser. Vielleicht fänden sich Anwohner, nicht nur in der Bahnhofstraße, sondern auch in anderen Straßenzügen, die ihrem Beispiel folgen möchten.

Gerne greife er die Anregung auf, berichtete Bänziger, aber der Bauhof sei in der Sommerzeit ohnehin stark belastet und gerade in der Urlaubszeit sei es schwierig, alle Bäume ausreichend zu versorgen.

 

Wie notwendig ist Gießen tatsächlich?

Sehr notwendig. „Bei einer langen Trockenphase bekommen Laubbäume in der Stadt nicht mehr genug Wasser. Die Blätter beginnen sich zu verfärben oder zu vertrocknen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, den Baum regelmäßig zu gießen“ ist auf www.baumportal.de zu lesen. Denn Bäume sind die grüne Lunge der versiegelten Fläche. Sie spenden nicht nur kühlen Schatten, wenn die Sommer heißer werden, sondern sie „absorbieren Stickoxide, Ozon, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid und reduzieren Feinstaub“, berichtet die Behörde für Umwelt und Energie der Stadt Hamburg. Die Wirkung von Pflanzengrün beeinflusst das Wohlbefinden auf positive Weise. Jeder kann sich leicht vorstellen, wie öd und grau die Bahnhofstraße wäre, gäbe es keinen einzigen Baum mehr. Ein 100jähriger Baum mit 20 Meter Höhe und 12 Meter Kronendurchmesser verbraucht und verdunstet an einem Tag bis zu 400 Liter Wasser. Solche Bäume gibt es in Weingarten kaum, die meisten sind wesentlich kleiner und kommen mit entsprechend weniger aus.

 

Mithilfe durch die Anwohner

Viele Städte sind inzwischen dazu übergegangen, ihre Einwohner um Hilfe zu bitten. Die Stadt Berlin hat laut einem Fernsehbericht ihre Anwohner gebeten, täglich 30 Liter Wasser zu geben. In Karlsruhe können die Bürger und Bürgerinnen zum gleichen Zweck „Baumpatenschaften“ übernehmen. Wäre eine Mithilfe bei der Bewässerung nicht auch ein Modell für Weingarten?

 

Wie oft und wie viel bewässern?

Dazu gehen die Hinweise auf verschiedenen Internetseiten weit auseinander. Ein Mittelwert dürfte bei rund 30 Litern pro Tag liegen. Beim Gießen ist das Wasser für die Wurzeln solange verfügbar, bis es ganz versickert ist. Daher wird empfohlen, täglich mindestens drei Kannen zu je zehn Litern zu bringen. Wer nur einmal pro Woche Zeit hat, der sollte dem Wurzelbereich rund 200 Liter auf einmal zuführen. Große Mengen dringen in das Erdreich ein und erreichen auch die tiefen Wurzeln, wogegen kleine Mengen an der Oberfläche verdunsten. Denn Straßenbäume verfügen meist über wenig Platz unter der Erdoberfläche und das meiste Regenwasser fließt über die versiegelten Flächen direkt in die Kanalisation.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Am frühen Morgen oder am späteren Abend, wenn die Sonne verschwunden ist. Die Luft sollte soweit abgekühlt sein, dass das Wasser nicht sofort wieder verdunstet, sondern tatsächlich in den Boden eindringen kann.

 

Mobile Tröpfchenbewässerung

Um vor allem bei den frisch gepflanzten Jungbäumen Abhilfe zu schaffen, hat sich die Gemeinde entschlossen, an 30 Jungbäumen eine mobile Tröpfchenbewässerung zu testen. Eine sackförmige Kunststoffummantelung wird um den Stamm gelegt und mit einem Reißverschluss verschlossen. Durch eine obere Öffnung kann mittels Schlauch der Wassersack mit ca. 70 Liter Wasser befüllt werden. Er legt sich um den Stamm und gibt das Wasser innerhalb von ca. 8 Stunden direkt an die Wurzel ab. So wird das Wasser optimal verbraucht. Zweimal pro Woche wird der Sack befüllt. Im Herbst kann der Sack abgenommen und wieder verwendet werden. Die Mitarbeiter des Bauhofs Abteilung Grünflächen werden den Versuch beobachten und bei Erfolg jeden neuen Baum mit einem Wassersack versehen, berichtet der Leiter des Grünflächenmanagements Bernd Wasser.

 

Mitmachen – Jede Hilfe zählt

Wer sich dennoch für eine Mithilfe beim Gießen erwärmen könnte, kann sich seinen Lieblingsbaum aussuchen oder den nächstgelegenen und gerne regelmäßig bewässern. Es bedarf dazu keiner Anmeldung. „Einfach machen“, sagt Bürgermeister Bänziger. Die Gemeinde und die Bäume freuen sich.