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Das letzte Konzert

Autor: Kay Leichsenring
Artikel vom 25.04.2019

Aber ungeachtet aller Wehmut war das letzte Konzert noch einmal eine tolle Sache. So wie man es vom „anderen keller“ kennt. War es Zufall, dass gerade Stephan C. Thomas an diesem Abend im „anderen keller“ auftrat? Es sollte der letzte Abend nach einer langen Ära sein und viele Besucher hatten Annerose Stöckle gegenüber geäußert, wie sehr die musikalischen Botschaften in der Vergangenheit ihr Leben bereichert und wie oft sie „etwas mitgenommen“ hätten. 

 Begleitet wurde Stephan Thomas von seiner Tochter Anastasia Thomas am Cello und Ingo Richter am Schlagzeug. Thomas, im Hauptberuf Schuldekan im evangelischen Kirchenbezirk Karlsruhe-Land, versteht es, den Menschen ins Herz zu blicken und auf den Punkt zu bringen, was jeden berührt. In seinem neuesten Programm „notorisch normal“ bringt er lebensbejahende und wortverspielte Songs. Er und seine Begleiter erzählten Geschichten, sagte er zum Publikum und steckte schon mitten in der ersten drin. Als Kind wollte er Klavier spielen. Spielen, nicht üben. Das habe sich so angehört: er griff in die Tasten und es klang nach Jazz. Nach Freude an Musik. Nach Leidenschaft und Unvoreingenommenheit. Nach Spielen und Abwarten, was herauskommt. Es folgten Geschichten von mangelndem Selbstwertgefühl und dem Weg daraus hinaus. Von einer Autofahrt, die nicht zum Ziel, sondern auf Umwege in einen tiefen, wunderbaren Wald führte. Plötzlich fielen Stress und Hetze ab, „zu spät kommen war egal“. Er erlebte den wunderbaren Moment „Einfach nur da zu sein“, an einem Ort, „wo Himmel und Erde sich berühren“. Der nächste Text ging um einen Sportwettbewerb, auf dem er vom Pech verfolgt schon auf verlorenem Posten stand, als er Menschen traf, die ihm sagten: „Gib noch nicht auf. Beweg Dich, solange es noch geht.“ Texte wie diese sind eine Wohltat, jeder kann sich auf sie einlassen. Sie machten den „anderen keller“ zu dem, weswegen so viele kamen. Am Klavier inszenierte der Künstler einen eingängigen gefühlvollen Pop, die Percussion gaben Kraft und Tiefe. Hatte das Cello meist die Aufgabe, den Sound mit warmem, innigem und ausdrucksvollem Klang anzureichern, trat es auch gelegentlich in den Vordergrund. Anastasia malte mit ihrem Instrument das Bild eines Schwans und mit wunderbarem Strich zeichnete sie sein majestätisches Gleiten über das Wasser. Der zweite Teil des Abends begann instrumental. Richter schlug auf dem Cajon einen harten Rhythmus an, Thomas folgte auf dem Piano mit einer packenden Improvisation. Doch schon im nächsten Stück war wieder alles anders: „Ein Choral als Gebet für die Erneuerung der Kirche“, der verhalten beginnt und nachdrücklich, geradlinig und kraftvoll endete. „So könnte Kirche auch sein“, sagte Thomas dazu. Wieder wurde es persönlich mit einem Blick auf seine „14-40-Krise“, dann folgte „Ich fange an, zu sterben“. Gemeint war, „sich langsam von dem zu verabschieden, was nicht mehr geht“.