Aktuelles: Gemeinde Weingarten (Baden)

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Interessante 36. Ausgabe der „Weingartener Heimatblätter“ erhältlich

 

Ein breites Spektrum ortsspezifischer Themen

Auch die 36. Ausgabe der „Weingartener Heimatblätter“ dokumentiert wieder ein breites Spektrum heimatkundlicher Themen. Einmal mehr ist es dem Redaktionsteam mit Klaus Geggus, Hubert Daul, Roland Felleisen und Anton Machauer gelungen, den Leserinnen und Lesern einen aufschlussreichen Einblick in Geschichte und Gegenwart Weingartens zu vermitteln.

Weingartens Weg ins Licht der Geschichte

Im Rahmen der historischen Beiträge weist Roland Bergmeier überzeugend nach, dass Weingartens Weg in das Licht der  Geschichte begann, als sich die Benediktinermönche des Klosters Weißenburg im Elsass vermehrt darum bemühten, rechtsrheinische Besitzungen zu erwerben oder von Königshand verliehen zu bekommen. Die urkundliche Ersterwähnung Weingartens stützte sich lange Zeit auf den Codex Edelini, den Abt Edelin (1262 bis 1293) um 1280 anfertigen ließ, um die Besitzansprüche seines Klosters zu dokumentieren.

Darin ließ er 68 Weißenburger Höfe auflisten, die der Salier-Herzog Otto von Worms und Kärnten  991 dem Kloster geraubt haben soll. Darunter befindet sich auch dezidiert der Besitz des Klosters in „wingarten ultra renum“. Heute sind sich jedoch die meisten Historiker darin einig, dass der so genannte „Salische Kirchenraub“ bereits im Jahr 985 erfolgte. Diese Ansicht vertrat auch bereits Wilhelm Kelch in seiner Ortschronik „Tausend Jahre Weingarten 985 – 1985“.

Die Jahreszahl 1701 am Walk`schen Haus

In einem weiteren Beitrag erläutert Roland Bergmeier die Kartusche über dem Eingangsportal des Walk`schen Hauses mit der Jahreszahl 1701, die den Wiederaufbau durch den Steuereinnehmer Johann Friedrich Reichert nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg dokumentiert, wobei die Initialen beider Vornamen in einer Ligatur miteinander verbunden sind. Das „W“ darunter könnte für „Wiedererrichtet“ stehen, denn der erste Besitzer namens Walk wurde später im Jahr 1804 geboren. Irritierend ist die über dem „W“ scheinbar eingemeißelte 4, die Bergmeier mit Verweis auf ein Haus in Ettlingen überzeugend als das „nachgefahrene Kreuzeszeichen des Priesters“ bei der Erteilung des Segens für die Gläubigen deutet.          

Roland Felleisen und Hubert Daul gehen in ihrem reich illustrierten Beitrag auf die beiden Erzählnachmittage zum Ersten Weltkrieg und dessen Ende 1918 im Heimatmuseum ein. Außer dem geschichtlichen Hintergrund der sich im November 1918 überstürzenden Ereignisse im damaligen Deutschen Kaiserreich geht es dabei besonders auch darum, wie sich „die erste große Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ auf einen beschaulichen Ort wie Weingarten konkret ausgewirkt hat, wo das Vereinsleben zum Erliegen kam und die Porzellan-Manufaktur Carl Baumgarten mangels Arbeitskräften ihren Betrieb einstellen musste.  

Umbrüche mit Beginn des Dritten Reiches

Franz Aich befasst sich in seinem Artikel „Weingarten zu Beginn des Dritten Reiches“ ausführlich mit der Situation in der Weinbaugemeinde in den Jahren 1933/34. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich auch in Weingarten vieles. Wie sich dieses Ereignis auf das Dorfleben konkret auswirkte zeichnet er ebenso nach, wie sich aus einer nicht sehr stabilen Demokratie der Weimarer Republik eine immer autoritärere Machtstruktur bis hin zu einer menschenverachtenden Diktatur unter Hitler entwickelte.

Bereits seit 1924 gab es in Weingarten eine so genannte „Sturmabteilung“ der NSDAP, abgekürzt SA. Wer sich außerhalb der oft beschworenen „Volksgemeinschaft“ stellte und nicht mitmachte, hatte viele Nachteile zu erleiden. Ein sehr interessanter Artikel, der die NS-Zeit in Weingarten so aufschlussreich beschreibt, wie sie noch in keiner Chronik bisher zu lesen war.

Ein Stück Weingartner Wirtschaftsgeschichte

Marianne Lother und Klaus Geggus behandeln die Entwicklung des Weingartener Bahnhofs von 1843 bis heute sowie die Geschichte der ehemaligen Wein- und Bierwirtschaft „Zum kühlen Krug“ und den nicht zu übersehenden Wandel des Bäckerhandwerks in Weingarten, wo von einstmals zwölf Familienbetrieben nur noch zwei übrig geblieben sind. Beide Autoren zeichnen auch die Entwicklung von der Porzellan-Manufaktur über die Papiersackfabrik bis zum Bühnenaufbauer „Megaforce“ nach, ein interessantes Kapitel der örtlichen Industriegeschichte. 

Sechs Braugaststätten zwischen 1800 und 1900 

Außerdem beschreibt Klaus Geggus die sechs Gaststätten, in denen zwischen 1800 und 1900 noch Bier gebraut wurde, und würdigt insbesondere den größten und erfolgreichsten Bierbrauer Peter Förster, der aus Rohrbach bei Heidelberg stammte. Aus der Feder von Marianne Lother stammen die Artikel über das Gasthaus „Alte Brauerei“ in der Bruchsaler Straße und die ehemalige „Brauerei Nagel“ in der Bahnhofstraße, wo heute der Polizeiposten und eine Zahnarztpraxis untergebracht sind.         

Die „Weingartener Heimatblätter“ sind zum Preis von 4,50 Euro beim „Bücherwurm“ und bei Schreibwaren Holderer sowie im Heimatmuseum erhältlich.