Der Mühlenladen schließt zum Jahresende

Zum Ende des Jahres wird Elisabeth Lepp den Mühlenladen in der „Mühle Lepp“ schließen. Damit verschwindet das letzte Überbleibsel des traditionsreichen Mühlenbetriebs, der seit dem 15. Jahrhundert bestand. Die erste urkundliche Erwähnung der „Obermühle“ war 1441. 1824 übernahm Jakob Lepp den Betrieb und begründete damit die lange Familientradition. Bis 1909 folgten Christian Lepp, Jakob Lepp und Wilhelm Lepp. 1909 brannte die Mühle vollkommen ab und wurde von Wilhelm Lepp als moderne Walzenmühle wieder aufgebaut. Er vererbte sie an seine Söhne Karl und Friedrich, 1966 ging sie an einen Sohn Karls, Willi Lepp und dessen Ehefrau Elisabeth.

Mit seinem Tod 2006 endete der Mühlenbetrieb. Ende der 60er Jahre eröffnete die Familie Lepp neben dem Müllerbetrieb auch einen kleinen Verkaufshandel mit Mühlenprodukten. „Angefangen hat es mit einem Regal in der Mühle“, beginnt Elisabeth Lepp ihre Erinnerung, „und Müsli war das erste und lange Zeit das einzige, was wir außer den verschiedenen Mehlsorten verkauft haben.“ Einige Jahre später war das Sortiment doch so angewachsen, dass ein separater Laden im Nebengebäude eröffnet wurde. Teigwaren, Eier, Äpfel und mehr und mehr Backzutaten und artverwandte Produkte füllten nach und nach die Regale. „Es war die Zeit, in der die Supermärkte und die großen Mühlen den Mehlpreis derart drückten, dass viele der kleinen Mühlen nicht mehr mithalten konnten und hätten schließen müssen“, ergänzt ihr Sohn Stefan Lepp. „Viele haben sich darum mit einem Mühlenladen ein zweites Standbein geschaffen.“ Der Mühlenladen schlug ein, der Kundenstamm erweiterte sich. Der Laden genoss in Weingarten und weit darüber hinaus aufgrund seines breiten, qualitativ hochwertigen und trotzdem preiswerten Angebots, das auch seltene Spezialitäten beinhaltete, einen ausgezeichneten Ruf. Vereinzelte Kunden kamen bis aus Mannheim und Pforzheim angereist. „Die Kartoffeln kommen aus der Heilbronner Gegend“, sagt Elisabeth Lepp, „die sind von vielen gesucht“. Aber eigentlich unvergleichlich war die Atmosphäre von Vertrauen, Wertschätzung und Interesse, die die Inhaberin ihren Kunden entgegenbrachte. „Manche haben ihr das Herz ausgeschüttet, sie nahm sich Zeit, hörte zu und hatte für jeden einen Trost“, sagt ihr Sohn. „Es war mehr Beziehungsarbeit als Verkaufsstrategie“. „Es ist nicht ganz einfach, ans Aufhören zu denken“, räumt seine Mutter ein. Aber ein Weitergeben des Ladens komme nicht in Frage. Dazu müsste der Laden richtig groß aufgezogen werden, sonst lohne er sich nicht. Seit 2014 hat Stefan im Hauptgebäude der Mühle ein Gebetszentrum eingerichtet und Wohnraum für junge Menschen geschaffen. Darüber freut sich Elisabeth Lepp sehr. Die Mühle lebt weiter, wenn auch in einer ganz anderen Richtung, und sie ist sicher, dass sich auch für sie eine Aufgabe finden wird.

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