Gemeindenachrichten Dienstag, 06.09.2011 Weinwandertag - Wandern, Lernen und GenießenEinzigartiges Konzept lockt jährlich Hunderte von Besuchern aus nah und fern - „Es gibt kaum eine Gelegenheit, bei der sich die Winzergenossenschaft mit ihrem Wein besser präsentieren kann als den Weinwandertag“ sagt Michael Ritter. Die Zahlen geben ihm recht.
Seit 23 Jahren kommen alljährlich Hunderte von Besuchern an einem Sonntag im September ins Weindorf, um die einzigartige Verbindung von Wissenswertem über Wein und passenden Kostproben zu erleben. Doch aus Mangel an Helfern überlegt der bisherige Organisator, der Schwarzwaldverein, die Veranstaltung abzugeben.
„Die Winzer müssen nachdenken, wie das weitergehen soll“ sagt Ritter, „denn ganz sterben lassen darf man das auf keinen Fall“. Ritter führt die Gäste, die zum größten Teil nicht aus Weingarten kommen, zum ersten Probierstand am Schulweinberg. Hier gibt es Spätburgunder in Variationen – trocken, halbtrocken oder rosé – zu kosten. An diesem warmen Tag macht der kühle Rosé das Rennen. Er schmeckt auch den beiden Weinprinzessinnen Marie und Marielle.
Zuvor hatten die Wanderer erfahren, dass der Katzenberg Weingartens größte Lage ist, 1956 angelegt, damals schon maschinengerecht. Ritter zeigt ihnen eine Neuanlage mit Hochstammreben, ebenfalls maschinell gesetzt. 30 Hektar bepflanzt ein Lohnunternehmer in gerade mal eineinhalb Stunden. Dicke pralle Grauburgundertrauben lachen ein paar Meter weiter die Wanderer an. In wenigen Tagen werden sie gelesen, denn die Lese hat längst begonnen, so früh wie noch in keinem Jahr zuvor. „Jetzt sind die Trauben noch gesund“ erklärt der Fachmann, „aber wir Winzer müssen sehr aufpassen, dass sich keine Fäulnis ausbreitet, darum lieber selektiv lesen“. Bei seinem eigenen Weinberg holt er seinen Refraktometer aus dem Rucksack und zeigt den erwartungsvollen Weinfreunden, wie viel Öchsle seine Spätburgundertrauben bringen werden.
„Öchslegrade sind wichtig“, erklärt er. Sie zeigen das Mostgewicht, sprich den Zuckergehalt der Beeren und bilden die Grundlage für die Bezahlung der Winzer. „Wunderbar“ sagt er erfreut nach einem Blick durch das Rohr. „92 Grad, das sieht ja sehr gut aus“. Bei wie viel ungefähr die Höchstmarke liege, fragt ein Teilnehmer. Wie der Winzer das beeinflussen könne. Wann der richtige Zeitpunkt zum Ausschneiden sei. Fragen über Fragen. Ob der Behang gut sein. Auch damit ist Ritter zufrieden. „Wir brauchen mal wieder einen großen Herbst“ sagt er. Die Keller seien leer, aber rund eineinhalb Millionen Liter könne die Genossenschaft aus ihrem Gesamtgebiet erwarten. Es deute alles darauf hin, dass es einen guten Jahrgang gebe.
Ob jeder selber bestimmen dürfe, was er anbaut, will ein anderer wissen. Im Grundsatz ja, aber die WG gebe Empfehlungen. Derzeit sei Auxerrois gefragt. Die Rebe, die vorwiegend in Jöhlingen im Gewann „Hasensprung“ angebaut wird, gilt als Exot, ebenso die Scheurebe oder die prächtigen bronzefarbenen Gewürztraminertrauben, die einem privaten Weingut gehören. Am obersten Rand des Katzenbergs ist die Lage für Riesling, den „König der Weißweine“. Ritter nutzt nach dem steilen Anstieg eine kleine Pause und berichtet über Pflanzenschutz, den die Winzer heute sehr viel schonender und umweltfreundlicher handhaben als zu Zeiten ihrer Väter. Dann geht es weiter – zum Stand mit Riesling.
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