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Burgundernacht 2011

Dienstag, 05.07.2011

Winzergenossenschaft feiert 8. Burgundernacht

Die Aussicht vom Weingartener Kirchberg ist an diesem Abend grandios. Über die ganze Rheinebene erstreckt sich der Blick, glasklar zeichnen sich die Pfälzer Berge ab. Die Sonne verschwindet als glutroter Ball.


„Das Panorama ist faszinierend“ meinte Herbert Cramer. Der Friedrichstaler nannte damit einen seiner Beweggründe, an diesem Samstagabend in den Hof des Winzerkellers zu kommen.

Zum achten Mal hatte die Winzergenossenschaft zu ihrer „Burgundernacht“ eingeladen, dem großen Weinprobierabend. An vier verschiedenen Ständen hatten die Gäste die Möglichkeit, sich durch das gehobene Sortiment des Angebots durchzukosten. Nur Weine aus der Dreiviertelflasche kamen zum Ausschank, darunter Kabinett, Spätlesen und Auslesen. „Nur Rivaner haben wir keinen, der ist schon ausverkauft“ erklärte Winzer Gerd Siegrist.

Hinter den Theken standen die Winzer selbst, Mundschenk und zugleich kompetenter Ansprechpartner für die Fragen der Besucher. Fünf verschiedene Sekte gab es am Stand von Michael Ritter. „Die Scheurebe haben wir dieses Jahr neu“ berichtet er. Es handele sich um einen Sekt auf der Basis eines halbtrocken ausgebauten Weines, erklärt er, im Aroma sehr fruchtig. Er schmecke am besten gut gekühlt. Dasselbe gelte auch für den Secco, einen Perlwein, der als „Terrassenwein“ am Feierabend sehr beliebt sei.

Bürgermeister Eric Bänziger hat den roten „Pinot noir“ im Glas, seine Ehefrau Susanne bevorzugt lieber den weißen, der aber als „Pinot blanc de noir“ auch aus Spätburgundertrauben gewonnen wird. Winzer Horst Schott betreut den Rotweinstand. Bei ihm erspüren die Besucher den deutlichen Unterschied: Der Spätburgunder Rotwein Spätlese ist ein runder, samtiger Wein.

Ebenfalls ein Spätburgunder, aber eine Selektion aus über 30 Jahre alten Reben, ist dagegen etwas gerbsäurebetonter und geht mehr in die Richtung französischer Rotweine. Der dritte im Bund ist ein Schwarzriesling – ein Wein ganz anderer Machart und von ganz anderem Geschmack. Auxerrois, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Riesling und Chardonnay steht bei den Weißweinen zur Auswahl, manche trocken ausgebaut, manche nicht.

Der Weingartener Chocolatier Roger Eschbach hat seine Trüffelspezialitäten mitgebracht. In ihnen finden die Gäste das wieder, was sie bereits im Glas haben, cremige Füllungen mit Riesling oder Auxerrois. „Die Verbindung Wein und Schokolade ist nicht ganz neu“, sagt er, aber er versuche, ständig neue Kreationen zu schaffen. Seine neueste sei weiße Schokolade mit italienischen Kräutern. „Weiße Schokolade ist sonst sehr süß“, erklärt der Fachmann, „die Kräuter verdrängen das etwas und harmonisieren das Ganze“. Hier finde er ein experimentierfreudiges Publikum und er schätze das direkte feedback, das ihm seine Kunden gleich am Stand geben.

Dieses „feedback“ ist auch Geschäftsführer Michael Müller wichtig. Der Arbeitskreis habe beschlossen, in diesem Jahr den Ausschank selbst abzuwickeln. So könnten die Winzer direkt mit den Abnehmern ins Gespräch kommen und dadurch ergebe sich auch mancher Fingerzeig.

Aber nur langsam füllt sich der Hof. Die Besucherzahlen bleiben deutlich hinter denen der vergangenen Jahre zurück. Die Ursache wird an verschiedenen Tischen im Eintrittspreis vermutet. 20 Euro kostet eine pauschale Weinverzehr-Karte. „Viel für einen „Normaltrinker“, sehr viel für einen „Wenigtrinker“, der noch Autofahren muss“, ist zu hören. Geschäftsführer Michael Müller begründet das Preisniveau mit dem sehr guten Angebot und den derzeit – gemessen am Bedarf – nicht ausreichenden Erträgen.

Dennoch habe sich die Vorstandschaft entschlossen, an diesem Probierabend für die Weingartener Bevölkerung festzuhalten.

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