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Friedhof

Montag, 16.08.2010

Der "neue" Friedhof in Weingarten wird 100 Jahre alt

In diesem Jahr wird der „neue“ Weingartener Friedhof 100 Jahre alt. Er wurde 1910 auf dem Turmberg angelegt, „nachdem der (alte) Friedhof am Lepfes schon mehrmals umgegraben war“, schreibt der Heimatchronist Pfarrer Albert Nikolaus. Das ursprüngliche Gelände umfasste eine Größe von 10722 Quadratmeter. Die Gemeinde hat es von der Domänenverwaltung für den Preis von 4.074 Mark erworben. Auffälligstes Merkmal ist ein in der Mitte angelegtes, mit einem mächtigen Kastanienbaum bestandenes Rondell, von dem aus kreuzförmig vier Wege abgehen. Rund um dieses Rondell herum befinden sich die Ehrengräber, in denen Menschen, die sich um Weingarten in besonderer Weise verdient gemacht haben, ihre letzte Ruhe gefunden haben. Das sind auf dem Weingartener Friedhof der Ortschronist Wilhelm Kelch, der Pfarrer und Heimatforscher Albert Nikolaus, Bürgermeister Ernst Vögele, der Arzt Dr. Wilhelm Wohnlich, Pfarrer Zachäus Baur, der Organisator des Winzerfestes Richard Felleisen, Bürgermeister Friedrich Gaß, Gemeinderat Paul Hambsch, Pfarrer Karl Scheel, Bürgermeister Wilhelm Koch, Friedrich Schrimpf und BDM-Führerin Erna Maier, gestorben 1935. Ein „einfaches Rabattengrab“ kostete damals 250 RM, 1942 betrug die Gebühr für ein „einfaches Wahlgrab“ 150 RM. Die erste Beisetzung auf dem neu angelegten Areal war Katharina Breitenstein, gestorben am 21. August 1910, deren Grab heute noch erhalten ist. Wem ein solches Ehrengrab zuteil wird, entscheidet der Gemeinderat. Ein schmiedeeisernes Tor, das kurz nach 1910 von dem Weingartener Schlosser Christian Keller angefertigt wurde, empfängt den Besucher, der den Fußweg vom Katzenbergweg kommend nimmt. Beim Eintritt in den Friedhof ist zu lesen „Trennung ist unser Los“, beim Verlassen: „Wiedersehen ist unsere Hoffnung“. 1949 wurde mit dem Bau der ersten Friedhofskapelle begonnen, berichten die Akten aus dem Gemeindearchiv, im Mai 1950 war die Inbetriebnahme. Es handelte sich um einen kleinen Raum westlich neben heutigen Kapelle gelegen. Auf Antrag des evangelischen Pfarrers Karl Scheel erteilte der Gemeinderat 1963 dann die Genehmigung zum Bau einer größeren Friedhofskapelle mit einem Turm mit Kreuz und Glocke und einem Innenraum für 150 Sitzplätze. Planung und Bauleitung wurden dem Weingartener Architekten Willi Erkmann übertragen. Das Glasgemälde an der Stirnseite des Gebäudes gestaltete der Weingartener Glasmaler Erwin Holler. Baubeginn war im Oktober 1964, im November 1966 wurde die Kapelle ihrer Bestimmung übergeben . Etwa in den 70er Jahren, erinnert sich der Ortshistoriker Robert Hill, erfuhr der Weingartener Friedhof eine erste Erweiterung. Sie umfasste das Gebiet rechter Hand vom Steigweg von der Bruchsaler Straße kommend, wo sich auch das in 2009 erstellte Kolumbarium befindet. Die zweite Erweiterung erfolgte im südwestlichen Teil in den 90er Jahren. Momentan befinden sich auf dem Weingartener Friedhof 930 belegte Grabstätten, das Gelände umfasst insgesamt 27160 Quadratmeter, berichtet die Friedhofsverwalterin Daniela Schöner. Für diesen Teil habe die Gemeinde Gelände aus Privatbesitz zugekauft, das noch nicht ausgeschöpft sei. Im Wandel der Zeit war eine steigende Nachfrage nach Feuerbestattungen zu verzeichnen, so dass hier eine lange Reihe von Urnengräbern auffällt. Binnen weniger Jahre war der dafür vorgesehene Platz belegt, so dass die Urnengräberreihe in nördlicher Richtung fortgesetzt wird.


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