Klassischer Liederabend im Turmzimmer

Tenor Edgar Schäfer und Pianistin Barbara Baun begeisterten mit Liedern von Robert Schumann

Romantik pur und ein Kunstgenuss von höchstem Grad war das Konzert des Tenors Edgar Schäfer und der Pianistin Barbara Baun, das als Veranstaltung der Volkshochschule im Landkreis Karlsruhe unter dem Titel „Es rauschten leis‘ die Wälder“ im Turmzimmer des Rathauses zu hören war. Zwei Liederzyklen von Robert Schumann – den „Liederkreis op. 39“ nach Gedichten von Joseph von Eichendorff und die „Dichterliebe op. 48“ von Heinrich Heine wurden zu Gehör gebracht. Eichendorffs Gedichte handeln von grundlegenden Leiderfahrungen des Menschen.

Bereits im ersten Titel „In der Fremde“ ist die Heimat, die „schöne alte Zeit“, unwiederbringlich verloren, Vater und Mutter „lange tot“. Das Grundmotiv von Einsamkeit und Verlust ist in diesem Zyklus der rote Faden. Der Wald, in der Literatur der Romantik stets ein Kondensationspunkt für unterschiedliche Gefühle je nach Jahreszeit, wird in diesem Eichendorff-Zyklus mehrfach als schauriger Ort thematisiert. Ein textlicher und musikalischer Höhepunkt im Konzert war das Gedicht „Waldesgespräch“, in dem sich Eichendorff an den Mythos „Loreley“ anlehnt und das in dem dramatischen Ausruf „Du bist die Hexe Loreley“ endet. Eindeutige Todessehnsucht spricht aus den Zeilen der „Mondnacht“: „so sternklar war die Nacht und meine Seele spannte die Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus“. Im Turmzimmer herrschte atemlose, andächtige Stille. Die Pianistin Barbara Baun hat Liedgestaltung studiert und brachte mit ebenso kraftvollem wie einfühlsamem Spiel die den Liedern innewohnende Stimmung zur Geltung, besonders in den langen Nachspielen, die den Zuhörern eine nachhaltige Wirkung des Gehörten ermöglichten. Gesanglich geriet der Abend zu einem Gesamtkunstwerk vom Feinsten. Die baritonale Grundlage verlieh der Tenorstimme Edgar Schäfers eine satte Substanz, was dem romantischen Inhalt dieser Kunstlieder besonders förderlich entgegenkam. Heinrich Heine hat seinem Liederzyklus „Dichterliebe“ eine Handlung zugrunde gelegt. Auch bei ihm führt das gefühlvoll überschäumende Liebeserwachen „Im wunderschönen Monat Mai“ über das Abgewiesenwerden des Liebenden bis zum unglücklichen Ende. Weniger poetisch als vielmehr ironisch klingt es im „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“ und tieftraurig klingt der Inhalt von „Ich hab im Traum geweinet, mir träumte, Du lägst im Grab.“ Das Konzert war im gesamten ein sehr bereichernder Abend. Der ausgebildete Opernsänger, der fast 30 Jahre lang an der Staatsoper Hannover engagiert war, beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit dem deutschen Liedrepertoire. Es gelang ihm hervorragend, Musik und Poetik zusammenzubringen.

 

 

 

Zurück