45 Jahre Altpapiersammlung

Die KJG ist ein lebendiger, junger Verein mit großem Engagement

Am Samstagvormittag gegen 11 Uhr brummt es auf dem Weingartner Festplatz. Die Katholische Jugend sammelt Altpapier. Auto um Auto kommt angefahren. Sofort eilen junge Menschen herbei, nehmen die Pakete voller Altpapier ab und verfrachten sie in Container der Abnehmerfirma Kühl. Zwei Container sind schon voll, der dritte wird es auch noch werden. Auf den Tag genau vor 45 Jahren hat Bruno Grünwedel, damals Leiter der Jugend St. Michael, die Sammlung ins Leben gerufen. Am 3. März 1973 hatte die erste Sammlung mit Traktor und Anhänger stattgefunden, 16 Tonnen Altpapier wurden an diesem Tag in Güterwagen am Weingartner Bahnhof verladen, erinnert er sich. War diese Arbeit damals körperlich anstrengend, so ist sie heute auch mit einem gewissen Kameradschaftseffekt und Spaßfaktor verbunden. Die Erfolgsgeschichte ging weiter.

Im September 1991 wurde mit 83,5 Tonnen an einem Tag ein Rekordergebnis erzielt. Als Mitte der 90er Jahre der Abnahmepreis einbrach und die Sammlung nicht mehr lohnend war, sprach sich Grünwedel für Durchhalten aus und die Gemeinde Weingarten griff dem Verein unter die Arme und bezuschusste die Sammlung mit 30 Mark pro Tonne über einen Zeitraum von fünf Jahren. „Damals haben wir kein Geld mehr bekommen, sondern wir mussten noch zuzahlen“, berichtet Grünwedel. „Ohne die Stütze der Gemeinde wäre es nicht weitergegangen.“ Seit 25 Jahren arbeitet der Verein „erfolgreich und vertrauensvoll“ mit der Firma Kühl Entsorgungslogistik zusammen. Grund genug für Geschäftsführer Matthias Gutheil, Grünwedel persönlich „Danke“ zu sagen. „Im März 2001 wurde das Bring-System eingeführt“, fährt dieser fort. Danach hätten sich die Tonnagezahlen deutlich erhöht. Einen Einbruch habe jedoch die Einführung der Wertstofftonne durch den Landkreis gebracht. „Das beförderte die Bequemlichkeit der Menschen, alles in eine Tonne zu werfen“, bestätigt Gutheil. So fiel das Papier mit Plastik, Glas und Metall aus ungereinigten Verpackungsabfällen zusammen. Der Abnehmer wollte aber nur ausschließlich Papier. Erst die Einführung der „Schlauen Blauen Tonne“ habe eine gewisse Sensibilisierung für den wertvollen Rohstoff Altpapier bewirkt, fuhr er fort. Das Altpapier aus Weingarten werde auf zwei Wegen zu 100 Prozent recycelt: Sei der Papieranteil höher, durchlaufe es einen „De-Inkingprozess“ und werde gereinigt zu Zeitungsrohstoff. Sei dagegen der Kartonageanteil höher, werde es nicht mehr sortiert, sondern gehe komplett in die Verpackungsindustrie, wo Wellpappe-Rohstoff daraus entstehe. „Die Struktur des Altpapiers hat sich sehr verändert“, bekräftigte KJG-Mitglied Dominic Wagner. Der Papieranteil sinke im Zuge der geringer werdenden Printausgaben, dagegen steige der Anteil der Kartonage aufgrund des Versandhandels. „Aber auch die Recyclingfirmen erleben Druck. Mit China ist ein starker Abnehmer mit vier Millionen Tonnen jährlich weggefallen, das spürt man“, sagt Gutheil. Aber er hoffe auf eine baldige Belebung der Konjunktur. „Altpapier wird immer gebraucht“, meint er. Und zu Grünwedel sagt er: „Bei mir werden Sie nie etwas zuzahlen müssen. Das verspreche ich Ihnen!“

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