Rundgang durch das historische Weingarten mit Klaus Geggus vom Bürger- und Heimatverein

Rund 400 Neubürger sind im Lauf eines Jahres nach Weingarten zugezogen und etwa jeder Zehnte nahm die Einladung der Gemeinde wahr, sich über Aktuelles und Historisches in Weingarten informieren zu lassen. Bürgermeister Eric Bänziger übernahm den ersten Teil, der gebürtige Weingartner und ehemals langjährige Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins, Klaus Geggus, den zweiten. Der Bürgermeister berichtete über eine gute Ausstattung an Kinderbetreuung, Gemeinschaftsschule und zahlreiche Sportvereine. Weingarten sei „ein bisschen teurer als andere Gemeinden“, räumte er ein, aber wusste es zu rechtfertigen. Außerdem verfüge der Ort über eine große Gastronomie, es gebe viele Feste und zurzeit sei die Hauptweinlese in vollem Gange.

Den Reiz des offenen Bachlaufs habe Weingarten dem Bürger- und Heimatverein zu verdanken, der die komplette Verdolung verhindert habe. Klaus Geggus ergänzte, dass in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Neuzugezogene alte Häuser aufgekauft und vorbildlich saniert hätten, was mit zu einem ansehnlichen Ortsbild beigetragen habe. Dann ging er zurück zu den Anfängen, der urgeschichtlichen Besiedlung des Höheforst, der Hügelgräber, der römischen Gutshöfe, die von den Franken vertrieben wurden bis zu den Weißenburger Mönchen, die Weingartens Südhänge als Rebanlagen bepflanzt und die Siedlung „Weingarten jenseits des Rheins“ genannt hätten. Er berichtete von der Zugehörigkeit zur Kurpfalz von 1349 bis 1803, von Weingarten als reichem Marktflecken, der leider keine Stadtmauer, aber dafür als Ersatz den Wartturm bekam. Auf die Blüte folgte der 30jährige Krieg, Pest und Hungersnot und der Pfälzische Erbfolgekrieg 1689, in dem General Melac wütete, bis in Weingarten nur noch 28 Bürger am Leben blieben. Mit Hilfe der Schweizer Einwanderer ging es wieder aufwärts. Dann begann der Rundgang. Der Grundschulkeller diente als Weinlager der Kurpfalz und alljährlich mussten die Bauern Tausende von Liter Wein als Zehnten auf Ochsenkarren nach Heidelberg schaffen. Das damals einstöckige Schulgebäude war das Wohnhaus der Mönche, 1883 wurde ein zweites und 1906 ein drittes Stockwerk aufgesetzt. Die Bundesstraße 3 war von jeher eine Hauptdurchgangsstraße, darum war jedes zweite Haus ein Gasthaus, einige mit einer Postkutschenstation. Geggus berichtete engagiert, leidenschaftlich und unterhaltsam, flocht die eine oder andere Anekdote ein und begeisterte seine Zuhörer. Von 1800 bis 1900 habe es am Ort sechs Wirtschaften mit eigener Brauerei gegeben, die größte habe Peter Förster gehört. Das Walk’sche Haus ging auf den Handelsmann Christian Walk zurück, heute sei es ein Gourmetrestaurant mit überregionaler Bedeutung. Am zweitältesten Gasthaus, dem „Löwen“ gab es eine Innenbesichtigung von Schankraum, Gewölbekeller und Saal. Das ganze Anwesen sei von den jetzigen Besitzern, Familie Birk, hervorragend stilecht und der Historie entsprechend saniert worden.

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