In Weingarten gibt es noch zahlreiche Gewölbekeller - Rundgang mit der VHS „Entdecke dein Weingarten“

Die heutige Bundesstraße 3 war seit jeher ein wichtiger Handelsweg von Frankfurt nach Basel und von Staffort nach Bretten kreuzte ein weiterer Verbindungsweg die Ortsmitte. Weingarten war ein Marktflecken. Darum entstanden zwischen dem 16. Und dem 20. Jahrhundert in Weingarten zahlreiche Gasthäuser. Dort und ebenso in Privathäusern gab es sehr viele Gewölbekeller, denn Kühlschränke gab es noch nicht und die immer gleichmäßig kühle Temperatur und Luftfeuchtigkeit garantierten eine problemlose Lagerung von Kartoffeln, Obst und Gemüse sowie Wein, Bier und Most. Nicht wenige dieser Keller sind heute noch erhalten und in Betrieb. Der stellvertretende Vorsitzende des Bürger- und  Heimatvereins, Klaus Geggus, hat im Rahmen der Volkshochschulreihe „Entdecke Dein Weingarten“ zu einem Rundgang eingeladen und zahlreiche Besucher waren ihm gefolgt.

Mit profundem Wissen führte er die Schar an zwei Terminen zuerst durchs Oberdorf. Die Reise in die Vergangenheit begann im über 1000 Jahre alten Grundschulkeller, der von den Weißenburger Mönchen gebaut wurde. Im jährlichen Durchschnitt wurden dort 6000 Liter Wein gelagert. Das Gasthaus „Löwen“ aus dem Jahr 1663 war das Zunftlokal der Weber, Schneider und Seiler und hatte eine eigene Schnapsbrennerei. Das Haus Kirchstraße 31 war einst eine Apotheke, im Keller wurden die Medikamente aufbewahrt. Nebenan in Nummer 27 befand sich das historische Schulhaus. Dessen Keller diente als Fluchtkeller, in den man sich bei durchziehenden Truppen in Sicherheit bringen konnte. Im Keller unter der Scheune des Deutschritterordens im evangelischen Pfarrhaus, lagerten die katholischen Frauen viele Jahre lang die Blüten für den Blumenteppich an Fronleichnam. Jeder einzelne Keller wurde besichtigt und die Besucher waren mehr als begeistert und wissbegierig. Geggus berichtete aus seinem profunden Wissensschatz über die Geschichte eines jeden einzelnen Hauses, seiner Besitzer und Besonderheiten. Im Mitteldorf befindet sich im jetzigen Gasthaus „Alt Weingarten“ der schönste und größte Weinkeller von Weingarten und beim jetzigen evangelischen Gemeindehaus befand sich das Anwesen des Bierbrauers Peter Förster, der letzte und reichste der zahlreichen Bierbrauer Weingartens. Das urkundlich älteste Gasthaus Weingartens ist das Gasthaus „Krone“ aus dem Jahr 1595. Bis heute wurde und wird es durchgehend als Restaurant betrieben. Die „Krone“ verfügt über zwei Gewölbekeller, der größere wurde bei der Grundsanierung vor wenigen Jahren zu einer schmucken Weinstube, allerdings in Privatbesitz, umgestaltet. In diesem Keller sei das Mauerwerk verputzt, erklärte Geggus, wogegen in vielen anderen die Kalksteinmauern aus Weingartner Steinbrüchen noch sichtbar seien.

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