Zweiter Info-Abend zum Flurneuordnungsverfahren „Petersberg“

Ein Flurneuordnungsverfahren zu eröffnen, erfordert als eine von mehreren Voraussetzungen die Einbeziehung der Bürger durch zwei vorgeschaltete Informationsveranstaltungen. Für die in Weingarten beabsichtigte Flurneuordnung am Petersberg hatte die erste derartige Veranstaltung im Januar stattgefunden, die zweite am vergangenen Dienstag. „Heute geht es um zwei Themenbereiche: Landnutzung/Weinbau und Ökologie/Freizeitnutzung“, eröffnete der leitende Ingenieur Hans-Georg Stritt den Abend. Nach einer kurzen Wiederholung des Ablaufs des Verfahrens forderte er die Anwesenden auf, sich in zwei Gruppen einzuteilen, um aktiv an einem der beiden Themen mitzuarbeiten. Sinn dieser Einteilung war, dass einerseits viele Grundstücke dort gar nicht mehr dem Weinbau, sondern der Freizeitnutzung dienten, andererseits aber der Weinbau trotzdem erhalten bleiben soll, wie es Bürgermeister Eric Bänziger in der ersten Veranstaltung als „Nutzungsentflechtung“ bereits angekündigt hatte. Die Ideen, Wünsche und Vorschläge der Bürger sollen der Behörde vorgelegt und in der Abwägung berücksichtigt werden.
Die Arbeit innerhalb der Gruppe „Weinbau“ zeigte immer noch Vorbehalte gegenüber dem Vorhaben. Knackpunkte waren nach wie vor die Unsicherheit, wie viel vom eigenen Grundstück abgegeben werden müsse und wie viel hinterher zu bezahlen sei. Stritt betonte immer wieder, dass noch alles offen sei, und er zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Aussagen machen könne. Welcher Weg gemacht würde in welchem Ausbaustandard lege die Behörde im gemeinsamen Abwägungsgespräch mit dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft fest. Mit der Frage, ob es sein könne, dass diejenigen, die mit ihrem Grundstück zufrieden seien, von der Teilnehmergemeinschaft überstimmt werden, hielten ihm einige Diskussionsteilnehmer vor, er habe den Anschein erweckt, das Verfahren sei freiwillig, obwohl dem nicht so sei. Stritt widersprach, er habe nie von Freiwilligkeit gesprochen, hundertprozentige Freiwilligkeit könne auch logischerweise gar nicht sein, sonst könne ein Einziger das Verfahren zum Kippen bringen. Zurück im Saal stellten die beiden Gruppen ihre Ergebnisse vor. Die Gruppe „Weinbau“ führte als Stichworte an: ökologischer Weinbau solle auch wirtschaftlich sein, darum keine brachliegenden Flächen, denn ohne Pflanzenschutz seien das Krankheitsherde. Maschinenbefahrbare Wege, damit auch denjenigen Hobbywinzern geholfen werden könne, die nicht mehr alles selbst bewältigen könnten. Auch Strukturen für kommende Winzergenerationen schaffen. Erhalt des Landschaftsbilds und trotzdem behutsame Zusammenlegung von allzu kleinen Parzellen. Die Gruppe „Freizeit“ nannte als Stichworte: Erhalt der Trockenmauern, Beibehalten der Wanderwege in ihrer bestehenden Schönheit, aber Herstellung eines befahrbaren Zustands, dennoch keine Asphaltierung. Auch für sie stand die Frage der Kosten im Vordergrund und wieviel Grundstücke am alten Platz bleiben können. Als Fazit zog Stritt, den benötigten Landabzug für den Wegebau tragen alle betroffenen Grundstückseigentümer. Die Wegbreite betrage mindestens 2,50 Meter, es werden keine unnötig breiten Wege angelegt. Von den Kosten des Wegebaus trage das Land 65%, den Rest die Eigentümer. Von diesem Eigentümeranteil werde die Gemeinde so viel übernehmen, erklärte Bürgermeister Bänziger, dass die Eigentümer noch maximal 1,-- € pro Quadratmeter zu tragen hätten.
Wie geht es weiter? Stritt wird allgemeine Leitsätze über den ökologischen Mehrwert und die Grundaussage, dass die Trockenmauer erhalten bleiben, aufstellen. Diese Daten werden dem Ministerium vorgelegt, im Januar 2016 werde „eventuell darüber entschieden, wann das Verfahren in das Arbeitsprogramm aufgenommen“ werde. Am Schluss fasste Bürgermeister Bänziger noch einmal zusammen: Das Ziel der Gemeinde sei der Wegebau, darum sei sie auch bereit, mitzufinanzieren. Die Grundstücke sollen anfahrbar und maschinell bearbeitbar sein. Die Kulturlandschaft soll erhalten bleiben. Der Petersberg sei das „Naherholungsgebiet Nummer eins“ in Weingarten, aber noch kein Freizeitgebiet. Der Weinbau müsse in der ältesten Lage Weingartens erhalten bleiben und der Gemeinderat unterstützt diese Ziele.

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